Gute Führung ist ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz. Wer gut führen will, muss das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz beherrschen. Jede Beziehung, auch unsere privaten Beziehungen, finden in diesem Spannungsfeld statt.

  • Wenn wir einer Person ein Kompliment machen, kommt sie näher.
  • Wenn wir eine Grenze setzen – zum Beispiel: „Diesen Abend brauche ich für mich“, schaffen wir Distanz

Im Berufsleben ist es genauso:

  • Wenn wir eine/n Mitarbeiter*in loben, erzeugt das Nähe.
  • Wenn wir jemanden befördern, kommt er näher.
  • Wenn wir Kritik ausüben, wird unser Mitarbeiter sich erst einmal distanzieren.
  • Wenn wir jemanden nicht beachten, entsteht große Distanz.
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Muss mich jeder Mitarbeiter mögen?

Sollten wir Verhaltensweisen vermeiden, die Distanz erzeugen?

Nein. Wir müssen nur wissen, dass es dieses Spannungsverhältnis aus Nähe und Distanz gibt und lernen, mit diesem Wechselspiel zu arbeiten

Natürlich ist es gut, Menschen etwas näher zu holen. Nähe ist fruchtbar und sehr ökonomisch. Warum sonst lassen sich Menschen seit ewigen Zeiten auf alle möglichen Formen von Beziehungen ein. Wir schließen sogar einen Bund fürs Leben.

Wie gut uns Nähe tut, können wir schon physisch spüren. Wenn es draußen kalt ist und wir uns nah aneinanderstellen, wärmen wir uns gegenseitig.


Wenn Nähe zu eng wird

Doch Nähe kann auch zu viel werden, sowohl in privaten als auch in beruflichen Beziehungen. Das dürfen wir nicht vergessen. Insbesondere wenn wir Menschen führen wollen, dürfen wir Menschen nicht zu nah an uns herankommen lassen.

Wolfgang Joop hat es einmal sehr treffend formuliert: „Wenn jemand zu nah kommt, werde ich blind.“ Du kennst das bestimmt: Die Dinge verschwimmen vor unseren Augen, wenn wir ihnen zu nahekommen.

Das ist auch bei Menschen so. Versuche mal mit einem Menschen zu sprechen, mit dem Du Nasenspitze an Nasenspitze stehst. Selbst wenn Dir eine vertraute Person gegenübersteht, wird es schwer….

Bist du eine Führungskraft kommt eine Sache hinzu: Du bist oftmals zu hart für Deine Mitarbeiter*innen. Nicht weil Du ein grausamer oder hartherziger Mensch bist, sondern weil Du ihnen zum einen wahrscheinlich in Deiner beruflichen Entwicklung einige Schritte voraus bist und zum anderen als Führungskraft eine andere Perspektive einnehmen musst.

Akzeptiere das Wechselspiel aus Distanz und Nähe. Lasse aber nicht so viel Nähe zu, dass Du blind wirst. Aber genug, um Wärme entstehen zu lassen.

gute führung feedback geben
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Ein paar Hilfsmittel für gute Führung

Lob ist das wichtigste Hilfsmittel, um Menschen zu fördern. Ein einziges Lob von Dir kann ein Leben für immer positiv verändern. Das solltest Du immer im Hinterkopf behalten, wenn Du eine gute Führungskraft werden willst. Nichts ist stärker als ein Lob.

Aber natürlich kannst Du nicht immer loben. Kritik ist sehr wesentlich für unsere Entwicklung und nicht ein bisschen destruktiv, wenn wir sie richtig anbringen. Natürlich schaffen wir durch Kritik erst einmal Distanz. Aber Kritik hat auch das Potenzial auf Dauer eine neue Qualität der Nähe entstehen zu lassen.

Ein wirklich destruktives Führungsmittel ist es gar nicht zu reagieren. Wer am Feedback spart, schafft große Distanz und verbaut sich jegliches Potenzial für die Zukunft. Besonders die jungen Mitarbeiter sind abhängig von Deinem Feedback als Führungskraft, denn Sie brauchen einen Spiegel, um sich gut entwickeln zu können.

Aber auch langjährige und erfahrene Mitarbeiter brauchen Feedback. Vielleicht nicht mehr so sehr, um zu wachsen, aber es wird sie ungemein motivieren.

Gute Führung heißt, gut zu agieren und zu reagieren. Du steuerst und Du hilfst.

Mal ist es wichtig, Nähe aufzubauen. Mal musst Du Kritik ausüben und schaffst damit Distanz. Beides ist wichtig und gut, solange Du mit den richtigen Methoden arbeitest.

Auch Loben und Kritisieren müssen sich abwechseln, um effektiv zu bleiben.

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