Vermutlich kennst Du diese Situation aus eigener Erfahrung:

Zwei Menschen sprechen die gleiche Sprache. Sie sprechen über dasselbe Thema. Und sie hören zu, was die oder der andere zu sagen hat. Aber es gelingt ihnen einfach nicht, sich zu verstehen.

Warum ist Kommunikation manchmal so schwer?

Ob mit den Eltern, mit der Partnerin oder dem Partner, mit Freunden oder den eigenen Kindern –in Gesprächen können unendlich viele Missverständnisse entstehen. Obwohl wir miteinander kommunizieren, verstehen wir uns nicht. Wie kann das sein?

Du erklärst eine Sache in Deinen Augen mit den deutlichsten Worten. Doch der andere versteht nur Bahnhof. Oder Dein Gegenüber ist fassungslos, weil ihre oder seine Botschaft einfach nicht bei Dir ankommt. Jeder kommuniziert, doch etwas stimmt nicht.

Die Verbindung fehlt

In solchen Momenten wird eine Sache klar: Kommunizieren ist mehr, als seine Botschaft loszuwerden. Kommunikation bedeutet, eine Verbindung zu einem anderen Menschen herzustellen. Dein Gegenüber versteht, was Du ihm zu sagen hast und umgekehrt.

Und warum ist das oft so schwer?

Ihr sprecht zwar die gleiche Sprache, aber die Sprache hinter Eurer Sprache ist eine andere. Ihr befindet Euch nicht auf derselben Meta-Ebene, weil Ihr die Welt mit anderen Augen betrachtet.

Besonders deutlich wird das beim „Witze-Erzählen“: Dir erzählt jemand einen Witz, den Du gut verstehst. Das heißt aber noch lange nicht, dass Du auch darüber lachst. Möglicherweise findest Du ihn überhaupt nicht witzig, obwohl alles um Dich herum lachen.

Du tickst einfach anders.

Der Schutzfilter: notwendig, aber tückisch

Ein Grund dafür ist Dein Schutzfilter. Er ist der emotionale Rahmen, durch den Du die Welt siehst, hörst und fühlst.

Jeder Mensch hat diesen Schutzfilter und zwar aus einem wichtigen Grund: Wir würden ansonsten von Eindrücken überwältigt werden. Allein in einer Sekunde wirken circa 3 Billionen Informationen auf uns ein. Würden wir sie alle wahrnehmen, wären wir unfähig auch nur eine einzige Entscheidung zu treffen.

Glücklicherweise hat unser Gehirn drei Filterfunktionen entwickelt, so dass wir nur einen Bruchteil der auf uns einprasselnden Informationen wahrnehmen:

Wir tilgen!

Die Mehrheit der Informationen blenden wir einfach aus. Unser Gehirn tilgt sie, bevor wir sie bewusst wahrnehmen können. Oft handelt es sich dabei um Eindrücke, die nicht relevant für uns sind.

Diese Filterfunktion kann aber auch dazu führen, dass unser Gesprächspartner sagt: „Das hast Du nie gesagt“. Wer die Filterfunktion nicht kennt, ist empört. Was eine Unterstellung!

Wie gut, wenn man weiß: Die andere Person hat den einen Satz sehr wahrscheinlich wirklich nicht bewusst wahrgenommen.

Wir verzerren!

Ein Großteil an Informationseinheiten verändert sich durch unbewusstes Verzerren. Wir hören nicht genau hin, schauen uns eine Sache nur oberflächlich an oder fühlen nicht mit.

In Gesprächen konstruieren wir uns anstatt dessen unsere eigene Realität.

Damit können wir in einem Gespräch sehr richtig liegen, weil wir unser Gegenüber sehr gut kennen. Wir können Botschaften damit aber auch in unserem Sinne sowie nach unserer Erwartung deuten und unserem Gesprächspartner damit Botschaften unterstellen, die sie oder er nie gesendet hat.

Wir generalisieren!

Viele weitere Informationen generalisieren wir auf Basis unserer Erfahrungswerte und unseres Wissens. Eine wichtige Funktion im Alltag, aber in Beziehungen und Gesprächen heikel. Denn wir rechnen oft hoch.

Weil unsere Partnerin oder unser Partner eine Erledigung schon zweimal versäumt hat, gehen wir automatisch davon aus, dass sie es wieder tut. Wenn uns Gesprächspartner gestern und vorgestern von einer ähnlichen Sache erzählt hat, hören wir heute gar nicht mehr hin …

Wir haben nie alle Informationen

Wir tilgen, verzerren und generalisieren, um handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig erhalten wir durch diese Filterfunktion niemals die vollständige Information. Brauchen wir oft auch nicht.

Beim Kommunizieren kann es aber dazu führen, dass wir Informationen ausblenden, die uns nicht wichtig erscheinen, unserem Gegenüber aber sehr wohl. Wenn Dich das nächste Mal ein Gespräch zur Weißglut treibt, weißt Du: Dein Gegenüber nimmt eine Botschaft von Dir möglicherweise unbewusst ganz anders auf, als Du sie meinst.

Komplett lösen lässt sich dieses Dilemma nicht. Doch allein das Wissen um unsere Schutzfilter kann viel ändern. Und darum geht es bei Kommunikation: Muster erkennen und umwandeln, damit Dein Gegenüber Dich in seiner Sprache verstehen kann.

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei.

Herzlichst,
Dein Bodo

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